Zurück aus Bad Stressfeld ...

by - September 19, 2011

... äähh ne, das hieß ja Bad Hersfeld und da war ich mit noch ein paar anderen armen Eltern beim Bundespferdefestival. Mit dabei unsere Reitlehrerin, vier Pferde und - Moment ich muss mal durchzählen - ich glaube es waren so 17 Kinder und alle wollten und durften dort eine oder mehrere Prüfungen reiten. Das erste Bild zeigt nicht annähernd die tatsächliche Größe des Areals. 2000 Teilnehmer waren dort gemeldet - viel zu viel für meinen Geschmack - na ja, ich war ja dieses Jahr nicht in Urlaub, bin ich halt da ganz ahnungslos hingefahren.


Am Freitag früh ging's dann los. Meinen Pferdehänger hatte ich schon tags zuvor am Reiterhof abgeliefert. Insgesamt waren wir mit drei Hängern unterwegs. 2 waren mit den Pferden bestückt und Nr. 3 beinhaltete Futter, großes Zelt, Sättel, Zaumzeug, Wassertröge, etc. und den durfte ich dann ins ca. 300 km entfernte Bad Hersfeld karren. Mein Auto war auch übervoll mit Gepäck, Fressalien, dem eigenen und drei Fremdkindern. Gott sei Dank hatte ich supertolle Fremdkinder als Mitfahrer erkoren und mein Sohn war mit 3 tollen Mädels sozusagen "Hähnchen im Korb".


Ja und hier ging's schon ab zur ersten Prüfung - Begehung mit einer Richterin, die den Kindern zeigt wo's langgeht. Da war alles noch ganz entspannt. Als allererster musste mein Herr Sohn dann reiten.



Hier geht's schon los. Das ist ein sog. Führzügeltrail. Die Kinder reiten selbst - hier übrigens das Pferd seiner Reitlehrerin - werden allerdings von einem Begleiter gesichert. Was die da alles so machen müssen, erkläre ich jetzt hier nicht, das is' mir jetzt echt zuviel und wer weiß, ob's einen interessiert. Jedenfalls hat's ganz gut geklappt.



Ja, hier sind die drei immer noch unterwegs ...




und hier sind 'se dann auch fertig. Pferd und Kind sind erleichtert und unsere Reitlehrerin wahrscheinlich auch.


Für meinen Sohn war's das dann auch schon - er ritt nur diese eine Prüfung. Eigentlich wollte ich viel mehr fotografieren und mir auch diverse Vorführungen anschauen - Pustekuchen.

Am Samstag war ich gefühlte 20 km unterwegs und ich schätze tatsächlich waren es wirklich mindestens 10. Nein, ich übertreibe nicht. Weil unsere Ina (Reitlehrerin) ja nicht überall sein konnte und die restliche Handvoll Eltern nunmal keine Pferdemenschen waren, bin ich mit einem der Kinder und Pferd zu einem Reitplatz gelaufen, hab' ihn sozusagen begleitet, damit eben nix passiert denn auf dem gesamten Areal war sozusagen die Hölle los. Die A 7 bei Ferienbeginn ist 'n Scheiß dagegen. Da waren Quads unterwegs, Traktoren, Pferde, Zuschauer, Kutschen, Pflüge, Sanitäter, Radfahrer ... Dieser Reitplatz war nun wirklich in der hintersten Ecke. Das Gelände befand sich am Rand eines Industriegebietes und bestand eben aus Wiesen durch welche sich ein Bach schlängelte. Über diesen Bach führte nur EINE Brücke und über eben die mussten wir. Wir mussten von ziemlich vorne bis ziemlich weit hinten zur Brücke, über die rüber und dann wieder ganz nach hinten zu dem entlegensten aller Reitplätze und das nicht einmal, nein, ich musste insgesamt vier Mal mit Pferd und Kind da hin bis er dann endlich seine Prüfung reiten konnte. Noch dazu hat sie Pferd so aufgeregt, dass ich es dann auch noch zurück führen musste und dabei ist das Ding mir dann auf den Fuß gelatscht und munter d'rauf stehen geblieben und überhaupt hatte es an dem Tag 26 Grad! Ich kann Euch sagen ... Abends gab's dann kaltes Wasser für meinen pochenden Fuß und eine ziemlich unruhige Nacht im Zelt.


Sonntags hieß es dann um 6.30 Uhr aufstehen und dann ging's erst richtig ab.

Unsere Ina musste an diesem Tag selbst Prüfungen reiten und zwar ständig. Also blieb mir nichts anderes übrig als mich morgens mit 11 Kindern und vier Pferden zu den Reitplätzen aufzumachen, um diese 11 Kinder ihren jeweiligen Prüfungen zuzuführen.

Hiiiilfe!


Jedes Kind wollte warmreiten, jedes Kind wollte in seine Prüfung - Problem: am besten alles gleichzeitig mit vier Pferden!

Zunächst dachte ich alles würde ganz rund laufen, weil die Prüfungen alle hintereinander angesetzt waren aber der Turniergott wollte mich an diesem Tag so richtig fertigmachen. Ich schwör's, da waren so viele Leute und auf mich hatte er es abgesehen.

Da sich nun die erste Prüfung immens verzögerte musste ein Kind schon mal mit dem Pferd aus der ersten Prüfung parallel in der zweiten Prüfung reiten. Wie das geht? Gar nicht! Also sind Kind und ich zwischen den Reitplätzen hin und her gerannt, um zu schauen, ob das Pferd aus Prüfung 1 noch rechtzeitig herauskommt, damit Prüfung 2 geritten werden kann. Nein ... natürlich nicht. Eine Mutter zum Richter geschickt und Pferd aus Prüfung 1 als fertiggeritten und nur noch Theorie anstand herausgeholt und Kind 2 hinaufgeworfen, damit Prüfung 2 geritten werden kann.

Und so ging das den ganzen Tag. Ich wollte es unbedingt schaffen, dass wirklich jedes Kind seine Prüfung reiten kann, damit sich dann nicht irgendein Eltern, der/die/das mit dem Hintern daheimgeblieben ist, beschweren kann, ich hätte eben diesem Kind seine Karriere versaut oder so.





Mir lief das Wasser aus allen Ritzen und ich saß mit den Kindern da bis ca. 15.45 Uhr bzw. rannte hin und her. Kind runter, Kind rauf, Steigbügel einstellen, Dreieckszügel an's Pferd schnallen oder abschnallen, etc. So oft wie an diesem Tag wurde mein Name dieses Jahr noch nicht gerufen. Manu hier, Manu da ... Ich war fix und fertig.





Noch dazu ging so ein Oller auf mich los, weil ich dessen Tochter bei der Prüfung nicht vorlassen konnte, nachdem ich schon eine andere Mutter mit Kind und Pferd vorgelassen hatte.

Der dicke hässliche Mann (hoffentlich liest er das) brüllte mich an, ich solle abhauen und den "Kopp zu machen" (also das Maul halten *Anmerkung der Redaktion*). Na ja, der kam mir gerade recht... ich hab' mich zwar schon ein bisschen geschämt aber ich hab' ihn einfach niedergebrüllt bis er dann abgezischt ist. Ich schwör's, der hatte echt die Hosen voll. Verständlich bei meiner imposanten furchterregenden Gestalt von beeindruckenden 1,52 m! Ich wär' auch abgehauen... he, he, ich hab' ihm gesagt, dass er sich wohl Frauen gegenüber so "aufpumpen" könnte und bei Männern sich das wohl eh' nicht trauen würde. Solche kennen wir doch, oder?

Seine Tochter sagte dann kurz darauf zum mir, dass er sich immer so aufregen würde und man solle ihn nicht ernst nehmen ... alles klar ...



Jedenfalls waren wir dann alle endlich fertig und kamen gerade noch rechtzeitig zu unserem Platz zurück bevor ein übles Unwetter losging. Wir konnten noch gerade so die Pferde und die Kinder verladen.

Die Zelte waren in weiser Voraussicht von den paar mitgekommenen Eltern und Kindern, die nicht oder nicht mehr reiten mussten, abgebaut worden. Ich sag' hier auch nochmal Danke an die Eltern, die alle unsere Sachen bereits ins Auto geladen hatten, so dass nichts tropfnass wurde außer mir.



Alle die nicht mehr gebraucht wurden haben wir gleich heimgeschickt und ich blieb mit zwei verbleibenden Kindern, die wir nicht mehr unterkriegen konnten, und Ina und zwei Pferden zurück.

Unsere Ina war so gut geritten, dass sie zur Siegerehrung musste. Sie hatte mit ihrem Masur den 8. Platz belegt und sich natürlich mächtig gefreut und ich hab' mich für sie gefreut - Ina, Du hast Dir das absolut verdient.

Das auf dem Foto unten ist übrigens Masur - ein tolles Pferd!


Bei richtig miesem Wetter fuhren wir dann los mit unseren Pferdehängern, standen ein wenig im Stau und um 22.45 Uhr war ich dann endlich zuhause, nachdem ich noch ein letztes übriges Kind zuhause abgeliefert hatte.

Ich hab' mich dann am nächsten Tag auf die Waage gestellt und gefreut, dass ich 2 Kilo abgenommen hatte - hat sich doch gelohnt der Stress, oder?

Mit etwas Abstand betrachtet war es schon toll und alles hat ganz gut geklappt obwohl wir so wenig Erwachsene waren. Das lag aber daran, dass die Erwachsenen, die mit dabei waren einfach klasse waren und mit dieser Crew würde ich es vielleicht nochmal machen.

Jedenfalls war mein Kind dabei, das war etwas Besonderes und eben ein Ferienhighlight, von dem ich mich ehrlich gesagt eine ganze Woche erholen musste.

Aber jetzt bin ich wieder da und ich hoffe, Ihr habt mich noch nicht vergessen und bleibt mir und meinem Blog gewogen und verzeiht mir meine längere Abwesenheit hier und bei Euch.

In diesem Sinne lasst Euch nix von hässlichen dicken Männern gefallen und brüllt zurück und ansonsten eine entspannte Woche.

Bis die Tage

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6 Kommentare

  1. jaaa, dieser Turnierstress, kenn ich nur zu gut und es laufen immer hektische und meckernde Menschen rum. Einfach ignorieren oder ...genau, zurückbrüllen!
    Und schön wars ja allemal.

    liebe Grüße
    Dörte

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  2. Großes Zwergenkompliment für Dein Engagement..
    Das ist heute nicht mehr selbstverständlich...
    Ich weiß, wovon ich rede...
    Hut ab.....
    Liebe Grüße
    vom Zwerg

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  3. Da kommt mir ja schon beim Lesen das große Hecheln. Und ich dachte, mein Urlaub sei stressig gewesen. Tapfer durchgehalten, alle Achtung! Hast Du nach dem Zieleinlauf wenigstens eine Siegerschleife bekommen?
    Viele Grüße
    Petra

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  4. Ach jetzt weiss ich was mir gefehlt hat... Frau Friesenfan! Aber bei solchem Stress bist du mehr als entschuldigt! Hut ab, was ein Marathon. Bin auch der Meinung du hättest ein Schleifchen verdient, schon allein wegen dem standhaften Verhalten gegenüber dicken, blöden, pöbelnden Männern. *geht ja mal gar nicht* Kenn das aber nur zu gut vom Sport meines Großen, die Eltern sind meist sehr übermotiviert... Glaub auch nicht das die den Kids damit was Gutes tun... Liebe Grüße, Anke

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  5. Hab schon gedacht: Nüscht mehr los im Bayernkaff?:-))) Puh, das war ja anstregend, dieses Turnier. Das wär nix für mich. Doofe Pöbler gibt`s überall, das hatten wir ja schon mal festgestellt. In Berlin und drumherum, pft...
    Komme ich letztens mit dem Hund an der Leine aus dem Haus, zieht ein Radfahrer an mir vorbei, natürlich ohne zu Klingeln in einem Tempo, dass mir der Pony hochgeflogen ist. Ich gucke, gesagt habe ich nichts. Da quasselt er irgendwas aus der Entfernung von seinem Drahtesel runter. Ich rufe hinterher: man könnte ja mal klingeln. Scharfe Bremsung, steigt der Typ ab und fängt an zu brüllen. Weiß gar nicht was. Ich brüllte auch. Fährt weiter und ich rufe ihm noch was hinterher. Hat seine Gehörgänge aber verfehlt, sonst hätte er mich wahrscheinlich verhauen. Das war was Schlimmes *ggggg*
    LG Petra

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  6. Auja, Tunier mit Kindern ist toll und stressig, aufgeregte Zwerge, noch aufgeregtere Eltern-alles zusammen macht die Pferde verrückt und des Nachts ist´s, als würd mamn einen Sack Flöhe hüten-ich beneid Dich nicht... Übrigens-Ist Masur ein Konik? Liebe Grüße von Rügen
    Anke

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