Good bye my love, good bye ...

by - Mai 16, 2011

hieß es jetzt für uns bzw. hauptsächlich mich, weil ich unter diesem Abschied schon ein wenig gelitten habe.

Aus Platzgründen mussten wir nämlic
h unseren Wohnwagen-Opa verkaufen, den wir dereinst als altes Wrack von ziemlich weit weg (30 km vor der holländischen Grenze) geholt hatten.

Er rollte im November 1978 als nagelneur kleiner Tabbert vom Band und zu uns kam er dann erst 2006 als alter Mann am Stock.



Wir haben ihn sozusagen entkernt, teilweise neu aufgebaut, lackiert und auch den Innenraum, der im 70er-Jahre-Chic bzw. Gelsenkirchener Barock daherkam vollkommen neu gestaltet.

Ich saß wirklich wochenlang in diesem W
ohnwagen und habe geschliffen, gepinselt, alte Folie abgekratzt, etc. Er war sozusagen mein Baby.
Ich habe neue Polsterüberzüge angefe
rtigt und sämtliche Utensilien, die man halt so braucht, in den passenden Farben besorgt. Den großen Aufkleber, den mein Mann unbedingt haben wollte, habe ich selbst entworfen und die Vorlage gezeichnet und wir habe ihn dann in einem entsprechenden Geschäft fertigen lassen. Aufgebracht haben wir ihn dann im Schweiße unseres Angesichts zusammen (das mach' ich nie wieder) und wären uns dabei beinahe an die Gurgel gegangen. Na ja, als er dann endlich blasenfrei d'rauf war, hatten wir uns schon wieder lieb - mein Mann und ich.



Den schönen Edelstahlkasten für Gasflasche & Co. hatte mein Mann extra angefertigt.

Und hier noch ein paar Bilder vom Inn
enraum ...


der kleinen Sitzgruppe mit meinen selbst genähten Polsterüberzügen, den Vorhängen und dem lackierten Tisch, auf dem der Lack ewig nicht decken wollte.

In die Füllungen der alten Schränke haben wir Alu-Riffelblech eingefügt und auch die kleine "Bordküche" bekam eine solche Oberfläche. Überall habe ich versucht, passende Aufkleber zu finden, orangefarbene Schüsseln, Becher, etc.

Dieses Projekt hatte mich wochenlang fest im Griff und es hat auch riesig Spaß gemacht. Das nächste Bild zeigt meine kleine "Küche" - unter dem Blech befinden sich Spüle und Gaskocher.


Ja, ein kleines "Badezimmer" hat er auch - zugegeben kein Wohlfühltempel, da es nur etwa "Einbauschränkgröße" hat - aber ein geräumiger Einbauschrank. Auch hier habe ich den Pinsel geschwungen und an die ansonsten helle Wand einen orange- und einen graufarbenen Streifen angebracht.


Es bekam sogar einen kleinen Waschtisch mit Glasmosaik und einem Edelstahlwaschbecken, nach dem ich ewig gesucht habe und schließlich in der Auktionsbucht fündig wurde. Ein Spiegel mit "Vergrößerung", damit man auch wirklich jede Unreinheit und Falte auch beim Camping genau begutachten kann, wurde auch noch angebracht.





Ja und nun steht ein neues Projekt an und wir hatten für unseren Opi einfach keinen Platz mehr.

Der Abschied fiel mir sehr schwer und als er schließlich abgeholt wurde und vom Hof rollte, saß ich tatsächlich da und die Tränen sind gekullert. Ich musste mich in letzter Zeit auch von anderem verabschieden und so ist nunmal das Leben. Nichts währt ewig und manches ist nicht immer Dein. Altes verschwindet um Neuem Platz zu machen und manchmal ist das auch gut so und muss so sein.

Natürlich ist er nur ein "Gebrauchsgegenstand" aber er war mein Projekt und ich habe ihm zusammen mit meinem Mann neues Leben eingehaucht. Tatsächlich stand er auch bei uns nur herum aber ich hätte ihn einfach gerne behalten und erhalten für die nachfolgende Generation, für die er eigentlich auch angeschafft wurde.

Ich habe ein Faible für alte Dinge, Dinge, die keiner mehr will oder braucht und ich hauche ihnen gerne neues Leben ein und bringe etwas vom alten Glanz zurück. Es bereitet mir Freude zu sehen, wie einstige Schönheit wieder zurückkehrt und manchmal glaube ich, dass sie es mir irgendwie danken. Wenn ich Hand an etwas lege, dann tue ich das immer mit viel Herz (manchmal auch ohne Verstand) und Hingabe und ein kleiner Teil von mir bleibt an bzw. in diesem Stück zurück.

Wenigstens hat er eine sehr nette neue Familie gefunden und ich hoffe, sie haben lange Freude mit ihm.

In diesem Sinne bye, bye meine lieben Leser




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6 Kommentare

  1. Um dieses tolle Schätzken hätte ich auch geweint. Den hast du so fein hergerichtet! So viel Herzblut reingesteckt - das sieht man im an!
    LG niki

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  2. wow den hast du richtig super hingekriegt. da sieht man das viel herzblut drinnen steckt. ich hoffe nur das die neuen besitzer das auch zu schätzen wissen und ihn gut behandeln.
    und nun auf zu neuem......

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  3. Man, das sieht man ihm von aussen gar nicht an, was da für ein "Schick" drin steckt. Aber wieviel Arbeit und Herzblut drinsteckt, dass sieht man. Haste sehr geschmackvoll eingerichtet!
    Tja, so Abschiede tun immer weh... "...Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!..."
    LG Anke
    ...ach und wenn du meinst Likörchen brauen sei so lasterhaft... vielleicht solltest du noch einen auf den guten Alten trinken - das hilft sicher ;o)

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  4. Ich kann sehr gut verstehen, daß Du geweint hast.Wir hatten auch mal so ein liebevoll restauriertes Möhrchen, das war aber nicht mal halb so schön wie Eurer, und deshalb weiß ich,wie sehr einem auch "Gebrauchsgegenstände" an´s Herz wachsen können. Den Wagen habt Ihr wirklich zu einem Schmuckstück gemacht und der Nachbesitzer kann stolz auf ihn sein

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  5. Ich kann Dich sehr gut verstehen, auch ich zerdrück immer ein paar Tränchen, wenn ich mich von liebgewonnenen Dingen trennen muß. Aber - die Erinnerung an die schönen Zeiten mit dem guten Alten (hatte er auch einen Namen?) die bleiben Dir
    LG
    Brigitte

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  6. Ich kann sehr gut verstehen, dass dir der Abschied von deinem "Baby" mehr als schwer gefallen ist.

    Wenn man so viel Herzblut in etwas investiert, Wochen mit der Restaurierung zugebracht und alles nach dem eigenen Geschmack hergerichtet hat, dann darf man beim Abschied weinen und sich an die schönen Zeiten erinnern.

    Es steckt einfach zu viel drin, um den Abschied ohne Gefühlsregung an sich vorüber ziehen zu lassen.

    Fühl dich gedrückt.

    LG
    Way

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